● Mitteleuropäische Zeit (MEZ)
Kreis Stuttgart · Baden-Württemberg
Blog · KW 17 / 2026
№ 02 / Methoden · DIN 4109 · F90

Trockenbau im Altbau: Akustik, Brandschutz, Bestand.

Im Bestand kämpft der Trockenbau gegen Bestandstoleranzen, vorhandene Brandlasten und unklare Decken­konstruktionen. Hier die Methoden, die sich auf unseren Baustellen bewährt haben.

№ 02 / Methoden · DIN 4109 · F90 F90
BAU TEAM · 11 Min Lesezeit · Aktualisiert KW 17 / 2026 · Bezug Trockenbau · → Trockenbau

Auf einen Blick

  • Doppelständerwand mit zwei entkoppelten CW-Profilen erreicht R'w ≥ 65 dB. Akustisch das stärkste Trockenbau-System.
  • Vorsatzschale verbessert Bestands­wand um 8–14 dB und schafft Platz für Leitungen. Meist die wirtschaftlichere Wahl im Altbau.
  • F30 / F90 entscheidet die LBO-Klasse. Brandwand zwingend mit GKF-Karton (rot, glasfaser-armiert), nicht mit doppelter GKB.
  • DIN 4109 setzt intakte Bestands­substanz voraus. Trockenbau im Altbau bringt Verbesserung, keine Zertifizierung.

Wir sanieren in Stuttgart, Esslingen und Ludwigsburg viel Bestand aus den 50er bis 70er Jahren. Trockenbau ist dort selten ein Standardfall, aber fast immer die wirtschaftlichste Antwort auf Schall, Brandschutz und Leitungsführung. Hier unsere Praxis-Sicht.

Die drei Disziplinen, kurz

  • Akustik: DIN 4109 regelt Mindest­schallschutz im Hochbau. Wirklich entkoppelte Wohnungen liegen darüber, in der Empfehlung der VDI 4100 (Stufen I–III).
  • Brand: F30 hält 30 Minuten, F90 90 Minuten Feuerwiderstand. Bauteilprüfung nach DIN 4102.
  • Feuchte: DIN 18534 regelt Abdichtung in Innenräumen. Im Bad immer relevant, auch hinter Vorsatzschalen.

Doppelständerwand vs. Vorsatzschale

Die Doppelständerwand mit zwei voneinander entkoppelten CW-Profilen ist akustisch das stärkste Trockenbau-System: bei richtigem Aufbau (12,5 mm GKB beidseitig + 50 mm Mineralwolle + 50 mm Luftspalt + 50 mm Mineralwolle + 12,5 mm GKB) liegen wir bei R'w ≥ 65 dB. Damit hört man Sprache aus dem Nebenraum nur als Murmeln.

Die Vorsatzschale (CW-Profil mit GKB-Beplankung gegen eine Bestandswand) verbessert eine zu dünne Massivwand um 8–14 dB. Das ist im Altbau oft alles, was nötig ist, und schafft zusätzlich Platz für Leitungen, Steckdosen, Heizungsverlegung.

Im Bestand schlägt die Vorsatzschale fast immer die Doppelständerwand, weil sie weniger Grundfläche frisst und Bestands­mauerwerk akustisch ergänzt statt ersetzt.

Brandschutz: F30 vs F90

Die Frage „F30 oder F90?" wird im Bestand fast immer von der Bauord­nung des Landes beantwortet. In Baden-Württemberg gilt LBO § 27: tragende Bauteile in Gebäuden bestimmter Klassen müssen feuerbeständig (F90) sein, raumabschließende oft F30.

In der Praxis: für eine Wohnungstrennwand im Mehrfamilienhaus reicht F30 mit doppelter Beplankung in den meisten Konstellationen. Für die Brandwand zwischen Gebäudeabschnitten ist F90 zwingend, und das ist nicht durch zwei GKB-Schichten zu erreichen, sondern nur mit speziellen GKF-Platten (rot, mit Glasfaser-Armierung).

Was im Bestand niemals nach Norm geht

Eine ehrliche Stelle: die DIN 4109 setzt Mindestwerte voraus, die nur erreicht werden, wenn auch der Bestand akustisch dichthält. Schiefe Decken, lockere Sockel­leisten, Risse in Bestandsmauerwerk, Schornsteine als Schallbrücken: das alles ist nicht durch Trockenbau allein lösbar.

Trockenbau im Bestand ist eine Verbesserung, keine Zertifizierung. Wer normgerechte Werte will, muss bei der Bestands­substanz mitsanieren.

Unsere Aufbau-Bibliothek

  1. Vorsatzschale leicht (50 mm): 50 mm CW + 40 mm Mineralwolle + 1× 12,5 mm GKB. Verbesserung ~8 dB. Für Wohn-/Schlafzimmer.
  2. Vorsatzschale schwer (75 mm): 75 mm CW + 60 mm Mineralwolle + 2× 12,5 mm GKB. Verbesserung ~14 dB. Für Wand zum Hausflur.
  3. Doppelständer akustisch: 2× 50 mm CW entkoppelt + 2× 50 mm Mineralwolle + 2× 12,5 mm GKB beidseitig. R'w ≥ 65 dB. Für Wohnungstrenn­wände.
  4. Brandwand F90: 100 mm CW + 100 mm Mineralwolle + 2× 12,5 mm GKF rot beidseitig + Anschlussverfugung. F90-AB.
  5. Vorsatzschale Feuchtraum: 50 mm CW + Imprägnierte GKBI-Platten + Verbund­abdichtung nach DIN 18534.

Wo wir nicht mehr Trockenbauen würden

  • An Außenwänden mit unklarem Feuchtegehalt: vor Aufbau immer CM-Messung der Wand.
  • Über Holzbalken­decken ohne Knack-Sanierung: die Decke arbeitet weiter, der GKB reißt nach 1–2 Jahren.
  • Bei Schornsteinwangen ohne Brandschutz­gutachten: F30 reicht hier oft nicht.

Praxis-Tipp: Aufmaß vor Angebot

Bei Trockenbau im Bestand machen wir immer ein Vor-Ort-Aufmaß. Pläne aus den 60ern stimmen mit der Realität selten überein, und 2 cm Wandschiefe können die ganze Profilwahl verändern. Aufmaß ist kostenlos, das Angebot bekommt der Auftraggeber dann mit allen Aufbau-Varianten.

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